KI in ERP-Systemen: Was heute schon automatisiert wird und was als Nächstes kommt

Glühbirne mit Gehirn und KI-Chip auf violettem Hintergrund

12. Oktober 2026

 

Gartner rechnet damit, dass 2026 vier von zehn Enterprise-Anwendungen aufgabenspezifische KI-Agenten enthalten. 2025 war es noch nicht einmal jede zwanzigste. In Deutschland hat sich die aktive KI-Nutzung in Unternehmen laut Bitkom innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt, von 17 auf 41 Prozent. Angesichts dieser Zahlen lohnt sich ein Blick darauf, wie es um die KI-Integration in ERP-Systemen bestellt ist. In diesem Beitrag wollen wir uns daher anschauen, was Künstliche Intelligenz schon heute abbildet, wohin die Entwicklung in den kommenden Jahren voraussichtlich gehen wird. Dabei richten wir unseren Blick auch auf unser Partner-ERP, Haufe X360.

Das Wichtigste vorab:

  • Die großen internationalen ERP-Anbieter zeigen mit ersten Praxiszahlen, wie weit KI-Agenten heute schon reichen, etwa bei der automatisierten Buchungsverarbeitung.
  • Entscheidend für den Erfolg ist laut Gartner vor allem die Datenbasis: Mit sauberen, gut strukturierten Daten laufen KI-Projekte deutlich zuverlässiger.
  • Drei Reifegrade helfen bei der Einordnung: assistierende KI, prozessintegrierte KI, agentenbasierte KI.
  • Haufe X360 erweitert mit Release 2026R1 gezielt um eine eigene KI-gestützte Datenanalyse und baut damit auf einer Automatisierung auf, die im System schon lange zuverlässig läuft.

Wie schnell KI in ERP-Systeme einzieht

Der Sprung von unter 5 Prozent auf 40 Prozent bei KI-Agenten in Enterprise-Software innerhalb eines Jahres stammt aus einer Gartner-Studie von August 2025. Bis 2035 könnte Agentic AI in einer oberen Schätzung rund 30 Prozent des gesamten Umsatzes mit Enterprise-Application-Software ausmachen, ein Anstieg von aktuell 2 Prozent auf über 450 Milliarden US-Dollar. Für Deutschland zeigt eine Bitkom-Erhebung mit 604 befragten Unternehmen aus dem April 2026 ein ähnliches Bild: Bei Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern liegt die aktive KI-Nutzung bereits über 60 Prozent. Als Wachstumsfeld nennt die Studie explizit KI-Agenten für Buchhaltung, Disposition und Customer Service, also genau die Prozesse, die in einem ERP-System zusammenlaufen.

Was heute technisch schon möglich ist

Einige der großen internationalen ERP-Anbieter haben 2026 erste KI-Agenten mit belastbaren Praxiszahlen ausgerollt. Ein Beispiel: Bei der automatisierten Buchungsverarbeitung in einem verbreiteten Cloud-ERP sank die manuelle Nacharbeit im ersten Quartal nach Einführung um 70 bis 80 Prozent. Bei einem anderen Anbieter verkürzte sich die Bearbeitung von Zahlungsreklamationen von durchschnittlich vier Tagen auf unter vier Stunden. Diese Zahlen zeigen, dass KI-Agenten im ERP-Umfeld längst über die Ankündigungsphase hinaus sind. 



Drei Reifegrade, die die Einordnung einfacher machen

Nicht jede KI-Funktion ist gleich weit. Eine Einteilung, die sich in der Praxis bewährt, unterscheidet drei Stufen. Assistierende KI unterstützt einzelne Nutzer bei Suche, Textvorschlägen und Auswertungen. Prozessintegrierte KI arbeitet direkt mit Prozessdaten, erstellt Prognosen und erkennt Auffälligkeiten, ohne dass jemand danach fragen muss. Agentenbasierte KI übernimmt mehrstufige Aufgaben eigenständig.

2025 sahen erst 28 Prozent der Anwender in der dritten Stufe hohe Relevanz für ihr eigenes Unternehmen. Für 2028 erwarten das jedoch bereits 73 Prozent.

 

Die Datenbasis macht den Unterschied

Gartner hat untersucht, wovon der Erfolg von KI-Projekten im Unternehmensumfeld abhängt: Mit einer guten Datenbasis laufen KI-Projekte deutlich verlässlicher, ohne sie sinkt die Erfolgsquote auf rund 40 Prozent. Der entscheidende Hebel ist also nicht die Technologie selbst, sondern wie gut Daten, Prozesse und Zuständigkeiten vorbereitet sind, bevor eine KI-Funktion live geht. Unternehmen mit einem klaren Datenmodell und definierten Verantwortlichkeiten für KI-Themen gehören schon heute zu den Vorreitern, auch wenn diese Gruppe insgesamt noch eine Minderheit ist. Für den deutschen Mittelstand nennt die DIHK genau diese Punkte als Stellschrauben: Datenqualität, Rechtssicherheit und eine Systemlandschaft, die sich sauber verbinden lässt. Wer hier investiert, verschafft sich einen klaren Vorsprung.

McKinsey: Bis 2028 nutzt ein Drittel der Softwareanwendungen agentische KI

McKinsey berichtet von frühen Anwendern KI-integrierter ERP-Umgebungen, die bereits EBIT-Verbesserungen von 5 Prozent oder mehr erzielen. Forrester erwartet, dass rund die Hälfte der ERP-Anbieter 2026 eigene Governance-Funktionen für den autonomen Betrieb von KI-Agenten einführt. Bis 2028 soll laut McKinsey fast ein Drittel aller Softwareanwendungen agentenbasierte KI-Funktionen enthalten. Gartner geht noch weiter: Bis 2029 sollen mindestens die Hälfte der Wissensarbeiter neue Fähigkeiten im Umgang mit KI-Agenten entwickelt haben, ähnlich wie es vor zwanzig Jahren mit Tabellenkalkulationen war.

Und was heißt das für ein Cloud-ERP wie Haufe X360?

Roboterhand und menschliche Hand greifen vor blauem Hintergrund aufeinander zu

Haufe X360 erweitert seinen Funktionsumfang mit Release 2026R1 gezielt um eine eigene KI-gestützte Datenanalyse, die Muster in den vorhandenen ERP-Daten aufzeigt, ohne dass jemand vorher eine Abfrage bauen muss. Ein zusätzlicher AI Assistant ist angekündigt. Ein großer Teil dessen, was in Haufe X360 heute Zeit spart, läuft aber schon seit Jahren zuverlässig automatisiert und trägt bewusst kein KI-Label, weil es das gar nicht braucht.

Im Finanzmodul verarbeitet das System E-Rechnungen im ZUGFeRD- und XRechnung-Format automatisch, validiert sie gegen den Standard und  archiviert sie GoBD-konform. In der Warenwirtschaft übernimmt die Bedarfsplanung Nachbestellungen auf Basis von Lagerbeständen und Verbrauchsdaten. Im Vertrieb ermittelt das System Frachtkosten automatisch, im Service-Modul laufen Wartungsprozesse automatisiert, in der Projektsteuerung vergleicht Haufe X360 Soll- und Ist-Kosten laufend. Diese Automatisierung ist regelbasiert, nicht agentisch, und genau deshalb schon seit Jahren stabil im Einsatz.

Ein Anknüpfungspunkt für KI-Funktionen entsteht dort, wo Partner die offene API-Architektur der Plattform selbst nutzen. Über REST- und SOAP-Schnittstellen lässt sich Haufe X360 an Microsoft Teams, Power BI, HubSpot und Logistikpartner wie DHL anbinden. BOLD & EPIC Transform hat auf dieser Architektur einen eigenen Postfach-Agenten entwickelt, der Belege aus dem E-Mail-Postfach automatisiert erfasst und ins System übergibt, statt sie manuell zu übertragen. Das zeigt, wie viel auf Basis der offenen Architektur schon heute zusätzlich möglich ist, unabhängig vom nächsten Haufe-Release. Erfahrungen von Mittelständlern mit der Plattform bestätigen das.

Wird ERP bald vollständig agentenbasiert?

Kurz: eher nicht, jedenfalls nicht in den nächsten Jahren. Selbst wenn die Tools dies theoretisch ermöglichen würden, fehlt es der Mehrheit der Unternehmen noch an der passenden Datenbasis, der entsprechenden Systemintegration und/oder dem passenden Governance-Modell. Zudem unterliegen Buchungen, Rechnungen und Meldungen an Finanzbehörden Nachweispflichten wie den GoBD. Ein System, das hier vollständig autonom entscheidet, ohne dass ein Mensch die Entscheidung nachvollziehen und im Zweifel korrigieren kann, schafft mehr Prüfungsrisiko, als es Zeit spart. 

Sinnvolle Anknüpfungspunkte für KI liegen deshalb dort, wo Aufgaben eng umrissen, wiederkehrend und regelbasiert prüfbar sind, nicht dort, wo unternehmerisches Ermessen gefragt ist. Belege lesen und zuordnen, Zahlungsverhalten mit historischen Mustern abgleichen, Lieferantendaten bei der Aufnahme prüfen, Lagerbestände mit Verbrauchsdaten abgleichen: Das sind Aufgaben, bei denen ein Agent viel übernehmen kann, weil sich das Ergebnis eindeutig prüfen lässt.

Der Postfach-Agent von BOLD & EPIC Transform gehört in dieselbe Kategorie: Er übernimmt eine eng umrissene, wiederkehrende Aufgabe, nämlich Belege aus dem Postfach zu erfassen und einzuordnen, und lässt sich deshalb schon heute zuverlässig einsetzen, ohne auf eine vollständig agentenbasierte Zukunft warten zu müssen, die für Kernprozesse mit Prüfpflicht ohnehin noch länger auf sich warten lässt.

Ob sich ein vergleichbarer Agent auch für die eigenen Prozesse lohnt, klärt ein kurzes Gespräch mit BOLD & EPIC Transform.

FAQ zu KI in ERP-Systemen